SRAM Automatix, die 2-Gang Automatikschaltung, einfach und unkompliziert, im urbanen Raum

Das Bild zeigt die SRAM Automatik 2-Gang Automatik Nabe, hier verbaut mit einem Gates Carbon Drive Riemen in einem Schindelhauer ThinBike Rahmen.
SRAM Automatix 2-Gang Automatik Nabe, hier mit einem verbauten Gates Carbon Riemenantrieb. (Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019)

SRAM Automatix, die 2-Gang Automatikschaltung

Für diesen Beitrag greife ich sehr weit zurück, ungefähr 38-40 Jahre. Ich beschäftigte mich damals gerne mit dem „Sperrmüll“, schleppte Elektrogeräte heim, um sie zu reparieren oder notfalls für das Ersatzteillager auszuschlachten.

Fahrrad Schrott fiel mir auch reichlich in die Hände, viele Klappräder, wie man sie in den 70er Jahren hatte, die meisten ohne Schaltung. Damals waren es wirklich noch Klappräder, heute spricht man überwiegend von Falträder und sie sind es auch.

 

Die Fichtel & Sachs Duomatik Nabe vom Sperrmüll

Einmal schleppte ich ein 20″ Hinterrad aus einem Klapprad heim, ich hielt es für ein normales Laufrad ohne Schaltung und mit der üblichen Rücktrittbremse. Damals waren auch Bonanza Fahrräder sehr angesagt, mich interessierten sie nicht, wohl aber deren Bereifung. Ich fuhr damals die gängigen 20×1,75 Straßenreifen, die Bonanza Räder hatten 20×2,25 – 20×2,5 Stollenreifen. Da wir Lausbuben damals mit unseren Rädern gerne durchs Feld bretterten, waren solchen Stollenreifen ein echter Gewinn. Ich kam zu einem solchen Reifen und zog ihn auf das Laufrad auf, um es dann in meinem Klapprad zu verbauen.

 

Schaltung über Rücktritt oder Geschwindigkeit?

Dann bemerkte ich bei meinen Ausfahrten einen sehr seltsamen Effekt, mal musste ich schwerer treten und mal leichter. Einen Reim konnte ich mir zunächst nicht darauf machen, doch irgendwann erkannte ich den Trick, nach dem Rücktritt schaltete die Nabe um, vom kleinen zum großen Gang und umkehrt, es handelte sich um eine Fichtel & Sachs Torpedo Duomatic Nabe.

 

Ich schalte ungerne über den Rücktritt

Heute kenne ich mich besser aus, um zu wissen, dass es auch damals schon eine 2-Gang Automatik Nabe gab und alternativ dazu eben die Duomatic, die mittels Rücktritt geschaltet wurde. Beides hat seine Vorzüge, nach meiner aktuellen Erfahrung bevorzuge ich inzwischen die Automatik Nabe. Ich möchte nicht mittels Rücktritt schalten, denn ich empfinde das als zu umständlich, zudem muss ich den Tritt unterbrechen, was bei der Automatik Nabe nicht erforderlich ist.

 

Fichtel & Sachs versus SRAM

Fichtel & Sachs Fahrradkomponenten gibt es nicht mehr, 1997 übernahm SRAM die Sparte und baut weiterhin die Nabenschaltungen in Schweinfurt.

 

Die SRAM Automatix Nabe ist wenig verbreitet

Das Bild zeigt die SRAM Automatik 2-Gang Automatik Nabe, hier verbaut mit einem Gates Carbon Drive Riemen in einem Schindelhauer ThinBike Rahmen.
SRAM Automatix 2-Gang Automatik Nabe, hier mit einem verbauten Gates Carbon Riemenantrieb. (Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019)

Die SRAM Automatix 2-Gang Nabe sehe ich auf der Straße eher selten, es gibt aber dennoch Räder verschiedener Preisklassen die sich derer bedienen, meist mit Fokus auf den urbanen Einsatz.

 

Die SRAM Automatix, gefahren in einem Schindelhauer ThinBike

Das Bild zeigt ein Schindelhauer ThinBike in schwarz. Ein kompaktes urbanes Rad mit der SRAM Automatix 2-Gang Nabe, 24
Schindelhauer ThinBike mit SRAM Automatix 2-Gang Nabe und Gates Carbon Drive Riemen. (Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019)

Ich fuhr die Automatix Nabe in einem Schindelhauer ThinBike, doch es geht hier weniger um das Fahrrad an sich, als mehr um die Schaltung.

Das Bild zeigt das hintere Laufrad des Schindelhauer Thinbike. Ein kompaktes urbanes Rad mit 24
Schindelhauer ThinBike 24″ Laufrad hinten mit SRAM Automatix Nabe und 40er Schwalbe Kojak Bereifung . Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019

Im großen Gang flott unterwegs

Rund 900 Kilometer habe ich die Nabe gefahren, auf Überlandstrecken, moderat hügelig. Ausfahrten von 50km und mehr empfinde ich nicht als Problem, ganz ohne Kondition geht es aber natürlich nicht und mit meinem Fixie würde ich eine identische Strecke so nicht fahren. Ich fuhr die Automatix Nabe zwar überwiegend im großen Gang, flott unterwegs, aber hier und da ist der etwas kürzere Gang schon nützlich, auch beim Anfahren natürlich.

 

Leicht tickendes Fahrgeräusch

Die Nabe läuft ruhig und leise tickend, im Freilauf vernahm ich manchmal ein leicht schleifendes Geräusch, bewegte ich nur minimal die Pedale vor oder zurück verschwand das Geräusch und die Nabe schnurrte wieder ganz ruhig.

Das Bild einem Gates Carbon Drive Riemen, verbaut an einer SRAM Automatix 2-Gang Nabe in einem Schindelhauer ThinBike Rahmen.
Gates Carbon Drive Riemen an einer SRAM Automatix 2-Gang Nabe. (Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019)

Ich vermutete die Ursache des leicht schleifenden Geräuschs am Riemenantrieb, er war es aber nicht, ich konnte jedoch auch auch keine andere Quelle finden.

 

Die Daten der Übersetzung

Die Übersetzung der Nabe beträgt im 1. Gang 1:1 und im 2. Gang 1:1,33, was wiederum in etwa dem 2. und 3. Gang der klassischen 3-Gang Nabe entspricht, sei es die Torpedo, oder eben auch meine Sturmey-Archer im Brompton Faltrad.

Nun sagt die Übersetzung der Schaltung alleine noch nicht viel aus, mein Rad ist mit 55 : 24 übersetzt, also im Verhältnis der Kurbel zur Nabe. Bereift ist das Rad mit 40-507 Schwalbe Kojak Reifen, also 24″, ein vielleicht etwas ungewöhnliches Format, aber es ist ja auch ein kompaktes Rad.

 

Die Entfaltung, also Meter pro Pedalumdrehung

Woraus ich eigentlich hinaus will, ist die sogenannte Entfaltung, also die zurückgelegte Wegstrecke pro Kurbelumdrehung, damit werden die Einzelwerte schon etwas konkreter, man kann sich etwas darunter vorstellen.

Im 1. Gang sind es 4,23m und im 2. Gang 5,62m je Kurbelumdrehung. Machen wir es noch etwas konkreter, bei 80 Pedalumdrehungen je Minute, also ein eher gemütlicher ruhiger Tritt, komme ich auf 20,28 und 26,98 km/h. Ich trete durchschnittlich 90 U/min, damit komme ich auf 22,82 und 30,35km/h.

 

Mit hoher Trittfrequenz zu mehr Tempo

Wenn ich es mal richtig flott anging, fuhr ich das Rad bis etwa 34km/h, darüber wurde es mühsam, dann musste ich unangenehm schnell treten. Mit meinem Fixie fahre ich ein vergleichbares Tempo, nur habe ich dort keine Schaltung, somit also nur den großen Gang.

Das Bild zeigt die SRAM Automatik 2-Gang Automatik Nabe, hier verbaut mit einem Gates Carbon Drive Riemen in einem Schindelhauer ThinBike Rahmen.
SRAM Automatix 2-Gang Automatik Nabe, hier mit einem verbauten Gates Carbon Riemenantrieb. (Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019)

Bei 16,5-18km/h schaltet die Nabe

Nach meinen Beobachtungen, schaltet die Nabe zwischen 16,5 und 18km/h auf den großen Gang, was auch bei Last erfolgt, ich musste also keine Kraft vom Pedal nehmen. Dieser Schaltpunkt bezieht sie auf mein 24″ Laufrad, bei anderen Radgrößen ändert sich die Rotationsgeschwindkeit der Nabe, weshalb SRAM verschiedene Versionen der Nabe anbietet.

 

Die Größe des Laufrads beeinflusst den Schaltpunkt

Ich könnte mir diese Nabe auch sehr gut in meinem 16″ Brompton Faltrad vorstellen, als Ersatz für die dort verbaut Sturmey-Archer 3-Gang Nabe. Da 16″ Laufräder auf der gleichen Wegstrecke aber viel mehr Umdrehungen machen als die 24″ Räder, würde die Nabe bei deutlich geringerem Tempo umschalten, bzw. bei größeren Laufrädern etwas später.

 

Zurückschalten nur mit reduzierter Last

Die Nabe schaltet unter Last nicht zurück. Dafür musste ich etwas Druck aus dem Pedal nehmen, also weniger kraftvoll treten.

 

Der Schaltpunkt wird nicht angezeigt

Es gibt natürlich keine Anzeige, anhand derer zu erkennen ist, wann ein Gangwechsel möglich ist, man also langsam genug fährt. Über einen Tacho wäre es möglich. Ich hatte an diesem Rad keinen Tacho, zeichnete Strecken nur mit der Laufuhr oder dem Smartphone auf.

 

Wie schaltet die Nabe auf Wunsch zurück?

Wie schaltete ich nun also zurück? Ganz einfach, nach Gefühl, denn ich sah Anstiege ja kommen und spürte den zunehmend schwereren Tritt. Hatte ich das Gefühl, „langsam genug“ zu sein, nahm ich etwas Kraft aus den Pedalen und die Nabe schaltet zurück. Wenn die Nabe nicht schaltete, hatte ich entweder zu viel Druck auf den Pedalen, oder ich war noch zu schnell, also wurde ich noch etwas langsamer oder nahm Druck vom Pedal und dann klappte der Gangwechsel.

Das Bild zeigt den kompletten Gates Carbon Drive Riemenantrieb, verbaut an einem Schindelhauer ThinBike. Als Antrieb wurde hier die SRAM Automatix 2-Gang Nabe verbaut.
Gates Carbon Drive Riemenantrieb an einem Schindelhauer ThinBike. Als Nabe wurde hier die SRAM Automatix 2-Gang Nabe verbaut. (Foto: VeloKickRun / Martin Lichtblau 2019)

Der puristische Lenker, ohne Bedienelemente

Die Nabe ist sehr unkompliziert und man benötigt auch keinen Schalter am Lenker, durch den Rücktritt verzichte ich auch auf den Bremsgriff, ideal für ein puristisches Rad. Links am Lenker hatte ich den Bremsgriff für die vordere Scheibenbremse, auf diese mochte ich auch nicht verzichten, denn bei flotter Fahrweise benötigte ich eine leistungsstarke Bremse, der Rücktritt kann das leider nicht bieten. Ich bin da vielleicht etwas zu anspruchsvoll, mir genügen auch die an Mieträdern verbreiteten  Rollenbremsen nicht, so nehme ich auf Reisen gerne mein Brompton Faltrad mit.

 

Fazit

Nach meiner etwa 900km langen „Erfahrung“ kann ich die SRAM Automatix uneingeschränkt empfehlen, selbst außerhalb der urbanen Nutzung, also wie bei mir. In der Stadt dürfte die Schaltung ihre Vorteile noch besser ausspielen und eine unvergleichlich einfache Nutzung bieten, unter der Voraussetzung, dass einem 2 Gänge genügen.

 

 

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