Renault Twizy in Asien gefragt, warum nicht auch in Europa?

Ihn einem NZZ Beitrag über den Renault Twist in Südkorea (Neue Zürcher Zeitung) nahm ich erstaunt zur Kenntnis, dass der Renault Twizy nun nicht mehr in Spanien gebaut wird, denn die Produktion wurde nach Südkorea verlagert.

Bislang baute die Renault Fabrik im kastilischen Valladolid (Spanien) den Twizy, neben anderen Renault PKW Modellen. Wikipedia scheint hier aber nicht am dem aktuellen Stand zu sein, im Januar 2019, denn der NZZ entnehme ich, dass Renault die Produktion in das Renault-Samsung-Werk im südkoreanischen Busan verlagert hat. Auch hier ist Wikipedia nicht aktuell, denn der Twizy wird dort noch nicht gelistet.

Renault Twizy Modellname am Heck
Foto: VeloKickRun (Martin Lichtblau) 2019

Wie dem auch sei, Renault war angeblich mit den Verkaufszahlen in Europa unzufrieden und erschließt nun neue Märkte.

Ich meine dazu, Renault sollte sich hier an die eigene Nase fassen, denn es wurde nicht gerade viel unternommen, den Twizy attraktiv zu machen.

Ein vollwertiger PKW Ersatz für den Alltag ist der Twizy sicherlich nicht und das soll er auch nicht sein, für spezielle Anwendungsfälle ist er jedoch sehr gut geeignet, in einem Umfeld mit wenig Wettbewerb. Renault könnte diesen Wettbewerbsvorteil ausschöpfen, tut es aber nicht, warum nicht? Gewinnmaximierung sieht anders aus, so möchte ich dieses Motiv Renault nicht unterstellen, eher das Gegenteil.

Es war von Renault sehr clever, eine „Cargo“ Version den Twizy anzubieten. Der Verlust des Sitzplatzes für den Mitfahrer ist zu verschmerzen, dafür gewinnt man einen brauchbaren Kofferraum. Ich hätte auch sehr gerne einen Twizy Cargo, mir lief zu sehr günstigen Konditionen jedoch ein Twizy Urban zu und der ist auch sehr nützlich, bietet zudem viel Fahrspaß, ich bin sehr damit zufrieden.

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Foto: VeloKickRun (Martin Lichtblau) 2019

Es gibt sicherlich nur wenige Menschen, die im Twizy gerne Mitfahrer sein möchten, denn der Platz auf dem hinteren Sitz ist sehr beengt, zudem stört hier der Fahrwind mehr, während der Fahrer gut vor Zugluft geschützt ist. Man mag es kaum glauben, doch es ist so. Mein Twizy hat weder Türen noch Scheiben, die serienmäßigen Windabweiser aus Plexiglas erfüllen sehr gut ihren Zweck, ich fahre damit den Twizy auch gerne bei Kälte, bis 0 Grad. Ich trage dann natürlich eine Mütze, Handschuhe, eine Thermohose, Stiefel und eine warme Jacke.

Zurück zum Twizy an sich, er ist sicherlich sehr gut als Zweit- oder Drittwagen in der Familie, wie auch zum Pendeln auf eher kürzeren Strecken geeignet, längere Strecken und Transporte größerer Einkäufe sind hingegen erscheinen weniger sinnvoll.

Konnte Renault wirklich nicht die Gründe des stagnierenden Absatzes in Europa erkennen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Jeder, der sich mit dem Twizy und dessen Anschaffung befasst hat, erkennt schnell die Gründe:

  • Preis des Mietakkus
  • Kapazität / Reichweite des Akkus

Diese beiden Punkte sehe ich persönlich als die Hauptargumente gegen den Twizy. Der zweite Punkt, die Reichweite des Akkus, erscheint mir gerade noch akzeptabel , denn der Twizy ist für die Kurzstrecke gedacht, Reichweiten von 120km und mehr würden dem widersprechen und den Akku unnötig teuer machen, sowie die Gewicht des Fahrzeugs erhöhen.

Der Mietakku ist jedoch ist gravierendes Argument gegen den Twizy, hier sollte Renault unbedingt den Vertrieb überdenken und bedarfsgerecht anpassen.

Ich bin überzeugt, der Twizy würde sich deutlich besser verkaufen, wenn die Miete des Akkus günstiger wäre, oder er für einen fairen Preis zu kaufen wäre. In einigen Ländern bot Renault den Twizy auch mit Kaufakku an, ihn Deutschland musste der Akku schon immer gemietet werden.

Ein Mietakku ist kein Nachteil, ganz im Gegenteil, dafür schätze ich die Renault Zoe sehr, insbesondere als Vielfahrer. Hier ist bei größeren Laufzeiten die Miet Flatrate sehr attraktiv, für rund 120€ im Monat hat man keine Kilometerbegrenzung mehr, bekommt aber die Sicherheit, einen schwächelnden Akku ersetzt zu bekommen, sowie die Pannensicherheit bei Strommangel, dann wird man zur nächsten Lademöglichkeit geschleppt.

Die Akkumiete ist keine reine Akkumiete, zum Paket der Renault Bank gehört auch eine Serviceleistung, eben der Austausch des schwächelnden Akkus, die Pannenhilfe bei Energiemangel, dann wird der Twizy zur nächsten Lademöglichkeit geschleppt.

Diese Bilder zeigen den niedrigsten Akku Ladestand, den ich jemals erzielt hatte, ohne dabei eine Energiepanne zu erleiden.

Die Restreichweite betrug 1km, der Ladestand der Batterie 3%. Ich fuhr bei etwa 0 Grad an einem trockenen Wintertag rund 43km Überland Strecke und leerte dabei den Akku, der bei der Abfahrt voll war. Bei Kälte ist die Batterie weniger leistungsfähig, so sinkt die Reichweite deutlich, zudem habe ich bei flotter Überlandfahrt relativ wenig Rekuperation.

Was ich mit dem Beispiel zeigen will, passiert einem das auf der Strecke, man bleibt mit leerem Akku liegen, genügt ein Anruf zur Renault Assistance und man wird zur nächsten Lademöglichkeit geschleppt. Diese Leistung ist in der Akku Miete enthalten und muss natürlich auch kalkuliert werden.

Nicht jeder benötigt diese Leistung, ich könnte auch gut darauf verzichten, zu Gunsten einer günstigeren Miete.

Zudem muss man auch die Relation des Twizy Akkus zum Zoe Akku betrachten, der in der kleinsten Version mehr als die dreifache Kapazität leistet, aber zu einem vergleichbaren Preis angeboten wird. Meiner Meinung nach, ist die Akku Miete des Renault Twizy deutlich überteuert und bremst damit die Verkaufszahlen des Twizy. Man muss den Twizy schon sehr mögen, um in der günstigsten Option 50€ monatlich für 7.500 km im Jahr zu akzeptieren, vorausgesetzt, man mietet den Akku mindestens 3 Jahre. 1 Jahr kostet monatlich 60€, 2 Jahre 55€. In einer früheren Aktion wurde der Akku auch mal monatlich für 35€ angeboten, hat man einen solchen Vertrag, sollte man ihn laufen lassen, solche Konditionen wird es möglicherweise nie wieder geben.

Würde Renault wieder bei 35€ mit der Akkumiete starten, ich wäre sicher, der Absatz würde deutlich steigen. Der Twizy ist auch 7 Jahre nach dem Produktionsstart noch ein attraktiver Flitzer, bedarf jedoch der preislichen Anpassung, sowohl beim Handelspreis, wie auch bei der Akku Miete.

Eine monatliche Rate in Höhe von 20€ für den Akku, bei 7.500 km jährlich, wären ein attraktives Angebot, auch ohne die Renault Assistance.

Mutmasslich kalkuliert Renault den Twizy in Südkorea deutlich günstiger, anders kann ich mir die große Popularität des Twizy dort nicht erklären.

Wenn in Europa jüngst etwa 2.000 Stück jährlich verkauft wurde, dann sind 1.400 Stück in einem Monat (November 2018) in Südkorea ein riesiger Erfolg. Die koreanische Post möchte mit dem Twizy auch Roller und Mopeds ersetzen, was mir sehr clever erscheint, hier wäre das auch möglich, ebenso bei Heimlieferdiensten für Pizzen etc.

Ich hoffe sehr, dass Renault der Erfolg in Südkorea als Motivator versteht und den Twizy auch in Europa attraktiver macht, sei es über den Preis, wie auch über die Batteriekapazität. Statt 6,1kWh würde ich 10kWh netto als sinnvoll erachten. Denkbar wären auch zwei Varianten, analog zur Zoe, die auch mit zwei Batteriegrößen angeboten wird.

Ich mag meinen Twizy, trotzt der Betriebskosten.

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