Das Fixie, Hype, oder sinnvoll?

Warum fährt man Fixie? Eine gute Frage, sie ist nicht einfach zu beantworten. Die meisten wählen ein Singlespeed Rad, also ein Rad ohne Schaltung, aber mit Freilauf. Die Fahrt damit ist weniger gewöhnungsbedürftig als der starre Antrieb des Fixies, also der Verzicht auf den Freilauf.

Fixie Flip-Flop Nabe

Die Flip-Flop Nabe am hinteren Laufrad des Schindelhauer Viktor Fixies. Montiert ist hier der starre Antrieb, auf dem der Gates Carbon Riemen läuft. Dreht man das Hinterrad um und setzt auf der anderen Seite der Nabe das Ritzel an, fährt man mit Freilauf.

Viele hintere Laufräder lassen sich umdrehen, auf der einen Seite haben sie einen Freilauf, auf der anderen Seite eine starre Nabe. Nutzt man die starre Nabe, ist die Kurbel mit den Pedalen immer fest an das Hinterrad gebunden, man kann das Rad ohne Pedalumdrehung nicht frei rollen lassen. Das klingt nicht dramatisch, wenn man es jedoch nicht gewohnt ist, bekommt man schnell große Probleme, selbst ohne Klickpedale oder Pedalhaken.

So war das auch bei meinem Fixie, ich fuhr es mit starrer Nabe und vorderer Bremse, während ich hinten durch Gegendruck in die Pedale etwas bremste, wenn es klappte. Viel Bremswirkung erzielte ich damit am Hinterrad nicht, aber es genügte.

Hinsichtlich der Straßenverkehrsordnung gibt es leider keine einheitliche Haltung dazu, wie ein Fixie korrekt zu bremsen ist. Im Gesetz sind zwei voneinander unabhängige Vorrichtungen zur Verzögerung gefordert. Man denkt dabei natürlich an die klassische Bremse, als Scheibenbremse, oder auch als Felgenbremse, während es früher ja auch Stempelbremsen gab. Die Bremsleistung ist mehr oder weniger stark, je nach Bauform. Man kann aber eben auch über die Pedale das Rad verzögern, hier am Hinterrad, während man vorne beispielsweise eine Felgenbremse hat. Ich empfehle hier unbedingt, wenigstens die vordere Bremse am Rad zu haben, ausschließlich die Pedale zu nutzen halte ich für zu gefährlich.

Hauptsächlich bremste ich mit der vorderen Felgenbremse. Möglicherweise bin ich zu ungeschickt, ein Fixie rein über die Pedale am Hinterrad zu bremsen, nötigenfalls mit blockiertem Hinterrad, ich strebte es niemals an. Viele können das und sie können das richtig gut, ganz im Gegensatz zu mir 🙂

Es kam selten zu Gelegenheiten, wo ich vor Schreck die Füßen von den Pedalen nahm, während der Fahrt bekam ich se dann kaum mehr wieder auf die Pedale, denn diese drehen sich möglicherweise flott und lassen sich so nicht mehr treffen. Man gewöhnt sich daran, früher oder später, vielleicht denkt man dann sogar über Klickpedal oder Pedalhaken nach. Mich führte es zu letzteren.

Hakenpedal an einem Fixie

An meinem Fixie fahre ich Hakenpedale, hier von Schindelhauer. Die griffigen Plattform Pedal sind an diesem Rad Serienausstattung, die Pedelhaken mit den Lederriemchen lassen sich leicht ergänzen. Ich fahre die Pedale mit Quoc Pham Lederschuhen, die sind sehr schmal geschnitten und passen gut zu den Pedalen.

Die serienmäßigen Schindelhauer Plattformpedale sind sehr griffig, so griffig, dass ich damit auch mein VanMoof Hollandrad ausgestattet habe.

Schindelhauer bietet für diese Pedale als Option Pedalhaken an, man kann sie nachträglich leicht montieren, mit zwei kleinen Schrauben. Zum Pedalhaken gehört auch ein Lederriemen, mit dem man dann den Haken schön stramm an die Schuhe zieht. Ich habe das nicht getan, die Riemen nur so weit angezogen, dass ich den Schuh nach einfädeln und auch auch wieder abziehen konnte.

Das Rad selbst fährt sich unglaublich direkt und vermittelt ein puristisches Fahrgefühl, es eignet sich jedoch nur für leicht hügelige, oder doch eher ebene Strecken. Einmal in Schwung gebracht, läuft es sehr flott und ist auch ein gutes Krafttraining für die Beine. Als alleiniges Rad hätte mir mein Fixie nicht genügt und im öffentlichen Verkehr, also auf der Straße, ohnehin nicht. Ich fuhr mein Fixie im Winter drinnen auf der freien Rolle und sonst draußen auf asphaltierten Feld- und Radwegen. Auf 11km Strecke waren rund 80 Höhenmeter zu überwinden, auf dem Rückweg natürlich weniger, in Summe etwa 110 Höhenmeter, auf der Hausstrecke hin und her. Ich fuhr mein Fixie recht viel und trainierte damit auch gerne die Trittfrequenz, sowohl niedrig mit viel Kraft am Anstieg, wie auch recht hohe Frequenzen von bis zu 140 Umdrehungen an leichten Gefällstrecken.

Fixie Schindelhauer Viktor

Fixie Schindelhauer „Viktor“, mit einem Gates Carbon Riemen Antrieb

Die Schindelhauer Räder sprechen mich sehr an, die Formensprache ist klassisch sportlich elegant, die Verarbeitung sehr hochwertig, was sich letztlich auch im Preis abzeichnet. Ich habe mein Fixie in einem recht neuwertigen Zustand gebraucht erworben und ebenso dann auch wieder in gute Hände abgegeben.

Überwiegend werden Fixies sicherlich im Alltag gefahren, auf der Straße, insbesondere in den Städten. Mein Fixie hingegen sah ich als reines Sportgerät an, wie auch überwiegend die anderen Räder in meinem Fuhrpark.

Probiert es mal aus, vielleicht am Anfang besser als Singlespeed Rad mit Freilauf, ich hatte jedoch von Anfang an die starre Nabe gewählt und es sprach mich sehr an.

Meine Fixie war eine moderne Interpretation dieser Rad Gattung, fast lieber sehe ich aber die „alten“ Räder, die ein zweites Leben als Vintage Renner oder Fixie bekommen, mit viel Liebe neu aufgebaut, restauriert.

 

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